Arbeitsbereich Medizinische Psychologie und Psychotherapie
im Zentrum für psychische Gesundheit (ZEP)
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Psychische Bewältigung der Extremdeprivation bei Guillain-Barré-Syndrom

Beteiligte

aus der Abteilung für Psychotherapie und Medizinische Psychologie:

Hintergrund

Das akute Guillain-Barré-Syndrom ist eine neurologische Erkrankung, die bei den betroffenen Patienten im Krankheitsverlauf zu einer extremen Form der Deprivation führen kann. Die Symptome der Erkrankung äußern sich in aufsteigenden Lähmungen, die künstliche Beatmung notwendig machen können, sowie in Ausfällen von Hirnnervenfunktionen, ohne dass das Zentrale Nervensystem selbst beteiligt ist (bis hin zum sog. Locked-in-Syndrom). Nach einer gewissen Zeit kommt es zu einer mehr oder weniger vollständigen Rückbildung der Symptome. Vor dem Hintergrund unserer engen Konsildiensttätigkeit in der Neurologischen Universitätsklinik führten wir – soweit die Patienten dazu noch bzw. wieder in der Lage waren – mit allen Patienten, die mit der Diagnose Guillain-Barré-Syndrom behandelt wurden, in regelmäßigen Abständen ausführliche semistrukturierte Interviews durch. Bei den Patienten, die durch den Erkrankungsverlauf und Hirnnervenausfällen nicht mehr in der Lage waren, sich verbal mitzuteilen, versuchten wir schon vor dem Höhepunkt der Symptomausprägung mit den Patienten ein Kommunikationssystem zu etablieren, welches den Patienten zumindest minimale Äußerungen, wie ja–nein, angenehm–unangenehm durch Augenschluss oder kleinste Fingerbewegungen ermöglichte.

Für die meisten Patienten stellte der regelmäßige Kontakt mit den Interviewern eine sehr wichtige Hilfe bei der Bewältigung der oftmals dramatischen Situation des In-sich-eingeschlossen-seins dar. Fast alle Patienten berichteten von starken Ängsten und von einem deutlichen Anstieg von Träumen, wobei sich mit steigender Lähmung auch vermehrt körperliche Bewegungen im Trauminhalt manifestierten. Interessanterweise zeigte sich ein enger signifikanter Zusammenhang zwischen der Schwere der erkrankungsbedingten Einschränkungen und der Häufigkeit des Auftretens psychotischer Symptome.

Publikationen

  1. Wagner, R. F., Weiß, H., Faller, H., Lauter, V. (1994). Auswirkungen extremer Deprivation bei Patienten mit akutem Guillain-Barré-Syndrom. Zeitschrift für Medizinische Psychologie 3:58-63.
  2. Weiß, H., Rastan, V., Faller, H., Wagner R. F. (2000). Krankheitsverarbeitung unter Extremdeprivation am Beispiel intensivbehandelter Patienten mit Guillain-Barré-Syndrom. In K.-D. Neander, G. Meyer & H. Friesacher (Hrsg.), Handbuch der Intensivpflege (2. Aufl.) (Kap. II, S. 1-4). Landsberg: Ecomed.
  3. Weiß, H., Rastan, V., Müllges, W., Wagner, R. F., Toyka, K. V. (2002). Psychotic Symptoms and Emotional Distress in Patients with Guillain-Barré Syndrome. European Neurology 47:74-78.
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