Abteilung für Medizinische Psychologie und Psychotherapie
im Zentrum für psychische Gesundheit (ZEP)
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Arbeitsschwerpunkt Patientenschulung

Patientenschulung hat das Ziel, Menschen mit chronischen Erkrankungen dabei zu unterstützen, die Auswirkungen ihrer Erkrankung zu bewältigen und das Leben mit der Erkrankung bestmöglich zu gestalten. Im Umgang mit der Erkrankung sind Empowerment und Selbstmanagement zentrale Wirkfaktoren einer guten Lebensqualität und Funktionsfähigkeit. Im Mittelpunkt der Schulung steht die Motivation zu einem gesundheitsförderlichen Lebensstil.

Seit 1998 beschäftigt sich die Arbeitsgruppe Patientenschulung an unserer Abteilung mit der Optimierung und Evaluation von Schulungsprogrammen in der Rehabilitation und anderen Versorgungsfeldern. Hierzu wurden und werden zahlreiche Drittmittelprojekte (siehe Liste der Schulungsprojekte) mit unterschiedlichen Kooperationspartnern durchgeführt, insbesondere mit Trägern der gesetzlichen Sozialversicherung und Rehabilitationseinrichtungen. Die Ergebnisse finden sich in nationalen und internationalen Publikationen (siehe Liste relevanter Publikationen).

1. Definition — Konzeption — Übersichtsarbeiten

Die Arbeitsgruppe hat sich zunächst um eine übergreifende Definition des Begriffs Patientenschulung bemüht und expertenkonsentierte Beschreibungs- und Bewertungskriterien (Ströbl et al., 2007) sowie Kriterien für eine gute Durchführungsqualität (Ströbl et al., 2009) erarbeitet.

In verschiedenen Übersichtsarbeiten wurden jeweils der aktuelle Stand der Forschung und ein heuristisches Wirkmodell der Patientenschulung (Faller et al., 2011, Reusch et al., 2017) publiziert. In einigen Indikationen wurden die postulierten kausalen Zusammenhänge des Wirkmodells bereits untersucht (Musekamp et al., 2016, 2017).

Beispielhaft für die Anforderungen in den unterschiedlichen Indikationsbereichen wurde für die rheumatologische Versorgung in einem Projekt ein neues Rahmenkonzept rheumatologischer Schulungsprogramme (Reusch et al., 2016) und daraus abgeleiteter Curricula und Schulungsmaterialen entwickelt (vergl. Homepage der DGRh).

Die langjährigen Erfahrungen mit der Entwicklung von Schulungen und Fortbildungen für Schulungsdozenten wurden zu einem Handbuch mit Empfehlungen zur Schulungskonzeption zusammengefasst (Küffner & Reusch, 2014, Kurzbeschreibung).

Weitere Publikationen und Projekte befassten sich mit Empfehlungen zu Evaluationsmethoden, die u.a. in einem Drittmittelprojekt konsentiert und in mehrere Artikeln publiziert wurden (Reusch et al. 2001; Faller & Reusch, 2004; Vogel, 2004; Vogel, 2007; Reusch et al., 2016) sowie der Entwicklung von Fragebögen zur Evaluation (Schuler et al., 2014, Musekamp et al., 2016).

2. Projekte zur Entwicklung und Evaluation einzelner Schulungsprogramme

In zahlreichen Drittmittelprojekten wurden und werden von der Arbeitsgruppe Patientenschulung an der Universität Würzburg um Prof. Dr. Dr. Hermann Faller, Dr. Karin Meng, Dr. Andrea Reusch und Dr. Heiner Vogel indikationsspezifische und indikationsübergreifende Schulungsprogramme theorie- und evidenzbasiert (weiter-) entwickelt. Dabei entstanden u. a. Schulungsprogramme zu chronischen Rückenschmerzen, koronarer Herzkrankheit, chronischer Herzinsuffizienz, Brustkrebs, chronisch-entzündliche Darmkrankheiten, Fibromyalgie-Syndrom, Rheumatoide Arthritis, Axiale Spondyloarthritis, Bewegungsförderung und Ernährung. Diese Schulungskonzepte wurden und werden sowohl formativ wie auch summativ evaluiert. Hierbei werden in der Regel großangelegte randomisierte kontrollierte und längsschnittliche Studiendesigns gewählt und die Ergebnisse international publiziert (vergl. Publikationen).

3. Verbreitung — Dissemination

Mit der Umsetzung erprobter Schulungsprogramme in der Praxis befassten sich weitere Forschungs- und Entwicklungsprojekte der Deutschen Rentenversicherung Bund. Hier wurden zwei bundesweite Bestandsaufnahmen zur Gesundheitsbildung und Patientenschulung in Rehabilitationseinrichtungen in den Jahren 2005 (Friedl-Huber et al., 2007) und 2010 (Reusch et al., 2013) durchgeführt. Eine Recherche verfügbarer Schulungsprogramme mündete in den Aufbau einer Datenbank („Verzeichnisses verfügbarer Schulungen“), in der Gruppenprogramme zur Patientenschulung und Gesundheitsförderung systematisch beschrieben sind. Diese und vielfältige weitere Informationen zum Thema Patientenschulung wurden auf der Homepage www.zentrum-patientenschulung.de öffentlich zugänglich gemacht.

Als Ergebnis dieser Projektarbeiten wurde der gemeinnützige Verein „Zentrum Patientenschulung“ gegründet, der insbesondere die Förderung der verschiedenen Sozialversicherungsträger bündelt. Der Verein widmet sich seit 2008 der Vernetzung zwischen Trägern, Wissenschaft, Versorgungseinrichtungen und Schulungsanbietern. Hierbei initiiert die Abteilung Medizinische Psychologie und Rehabilitationswissenschaften der Universität Würzburg zahlreiche Forschungsprojekte in enger Zusammenarbeit mit dem Verein. Mit vielfältigen Serviceangeboten unterstützt der Verein zudem die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse im Bereich Patientenschulung auf Fachtagungen, durch Fortbildungen und individuelle Beratungen.

Weiterhin werden in verschiedenen Drittmittelprojekten der Abteilung theorie- und evidenzbasierte Fortbildungen zur Unterstützung der Schulungsimplementation bzw. für verschiedene Berufsgruppen entwickelt, die besondere Schulungskompetenzen benötigen. Hierunter fallen Schulungsdozenten verschiedener Professionen der Rückenschule, die Bewegungstherapie und die Ernährungsberatung in der medizinischen Rehabilitation. Dabei werden auch verschiedene Fortbildungsformate untersucht, z. B. Präsenzveranstaltungen vs. Implementierungsleitfäden (Meng et al., 2014, 2015) oder vs. onlinegestützter-Vertiefungen (Göhner et al., 2018).

Liste der Schulungsprojekte (chronologisch)

Liste relevanter Publikationen

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