Arbeitsbereich Medizinische Psychologie und Psychotherapie
im Zentrum für psychische Gesundheit (ZEP)
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Wir trauern um den langjährigen Vorstand des
Instituts für Psychotherapie und Medizinische Psychologie
der Universität Würzburg

Prof. Dr. Dr. Hermann Lang

Bild Hermann Lang

Am 31. Dezember 2019 ist Prof. Dr. Dr. Hermann Lang im 81. Lebensjahr verstorben. Seiner Familie, insbesondere seiner Frau Alice, möchten wir unser tiefes Mitgefühl ausdrücken.

Hermann Lang war Facharzt für Psychiatrie, Philosoph und ein angesehener Psychoanalytiker. Er hat das Institut in den Jahren 1990 bis 2004 mit ausgeprägter Fachlichkeit, großer Umsicht und überragender menschlicher Wärme geführt.

In seinen eigenen Forschungen beschäftigte er sich intensiv mit der Psychoanalyse der neurotischen Störungen, aber auch mit Persönlichkeitsstörungen und Psychosen. Im Bereich der Zwangsstörung prägte er beispielsweise den in der Fachwelt weit verbreiteten Begriff des „gehemmten Rebellen“. Mehr als 200 wissenschaftliche Publikationen, darunter mehr als 20 Bücher - Monografien und Herausgeberwerke -, belegen seine wissenschaftliche Produktivität. Als Standardwerk unter den medizinpsychologischen Lehrbüchern hat sich das gemeinsam mit Hermann Faller editierte Lehrbuch zur Medizinischen Psychologie und Soziologie etabliert, welches inzwischen in der 5. Auflage erschienen ist. 1986 erhielt er den Egnér-Preis der Universität Zürich. Bis zuletzt hat Hermann Lang Vorträge gehalten, darunter auch über kulturelle Themen aus Musik und Literatur, und Tagungen veranstaltet, zuletzt im Jahr 2018.

Schon früh war Hermann Lang die Unterstützung körperlich kranker Menschen bei der Bewältigung ihrer Erkrankung ein wissenschaftlich wie klinisch wichtiges Anliegen. Hieraus ergaben sich vielfältige Kooperationen mit dem Universitätsklinikum und auch gemeinsame Projekte in Forschung und Krankenversorgung. Die Verankerung seines Instituts in der Medizinischen Fakultät durch Konsil- und Liaisondienste war ihm sehr wichtig. Der Krankenversorgung diente zudem auch eine Hochschulambulanz, die ihm sehr am Herzen lag und die bis heute erfolgreich weitergeführt wird.

Bewundernswert offen und zukunftsorientiert war die inhaltliche Ausrichtung der Psychotherapie bzw. der psychotherapeutischen Arbeiten, die er in der Forschung und auch in der Ambulanz ermöglichte und unterstützte. Obwohl er selbst Psychoanalytiker war und als Schüler von Lacan und Gadamer aus einer eher strukturalistisch-hermeneutischen Forschungstradition stammte, war ihm die zwingende Notwendigkeit empirischer Forschung und Wirksamkeitsforschung für die Psychotherapie bewusst und er unterstützte entsprechende Ansätze. Zudem förderte er auch den Austausch zwischen unterschiedlichen psychotherapeutischen Verfahren und Ansätzen. Und so waren in der Hochschulambulanz neben psychoanalytischen und tiefenpsychologischen Ansätzen auch humanistische und zunehmend verhaltenstherapeutische Konzepte vertreten und wurden im engen Austausch miteinander realisiert. Diese Offenheit und Zukunftsorientierung spiegelte sich auch in den von Herrn Lang mit großer Leidenschaft über viele Jahre hinweg organisierten klinisch-wissenschaftlichen Mittwochs-Seminaren sowie in den Fortbildungskongressen wider, die er zu unterschiedlichen Themen in einem weiten Spektrum ausrichtete.

In seine Zeit als Institutsvorstand fiel insbesondere die erhebliche Ausweitung der empirischen Forschungstätigkeiten des Instituts. Mit der Übernahme der wissenschaftlichen Geschäftsstelle des Rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsverbunds Bayern und zahlreichen weiteren Drittmittelprojekten, die aus den Rehabilitationswissenschaften stammten oder unabhängig davon initiiert wurden, und schließlich auch mit der Stiftungsprofessur für Rehabilitationswissenschaften, die von der gesetzlichen Rentenversicherung ab dem Jahr 2001 finanziert wurde, wuchs das Institut auf mehr als die dreifache Anzahl an wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen gegenüber der Zeit, in der er es übernommen hatte.

Wir haben Hermann Lang als Vorgesetzten sehr geschätzt und erinnern uns in großer Dankbarkeit an die bereichernde Zeit, die wir mit ihm verbringen durften.

Heiner Vogel
im Namen aller (ehemaligen) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter



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